Zur Musikauswahl

Zur Musikauswahl

Die Musikauswahl hängt zwar vom Therapieverlauf, von der Therapiesituation und vom therapeutischen Fokus für die Sitzung sowie von der momentanen Befindlichkeit des Klienten und dessen Bedürfnissen ab, doch müssen auch die Hörgewohnheiten des Patienten, bzw. seine (musikalische) Sozialisation berücksichtigt werden. Es ist wichtig, ein Gespür für die kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründe zu haben, in denen der Klient Denken, Fühlen und Handeln gelernt hat, um einzuschätzen, welche Musik dem Klienten helfen könnte, neue Erfahrungen zu machen.

Der Guide (Therapeut im Sinne eines Begleiters, nicht Führers!!!) muss mit dem Imaginationspotenzial des jeweils ausgewählten Programmes oder mit den für den Moment neu zusammengestellten Musikstücken sehr vertraut sein und flexibel mit Programmen umgehen können. Musik wird im veränderten Bewusstseinszustand anders wahrgenommen als mit dem Alltagsbewusstsein. Instrumentierung, Rhythmik, formaler Aufbau, etc. müssen genau studiert sein und man muss um die therapeutischen Wirkungsmöglichkeiten der musikalischen Parameter auf den Imaginierenden vor dem Hintergrund seines persönlichen Erlebens wissen. Die Therapeutin muss die Musik, die sie einsetzen möchte, auch sehr genau in Bezug auf mögliche Themenkomplexe psychodynamischer oder auch existentieller und spiritueller Natur kennen. Musik führt oft in überpersönliche Dimensionen des Erlebens, existentiell bedeutsame Sinnfragen und spirituelle Bereiche.

IMIT_Brochure_neu3In GIM verwenden wir meist klassische Musik im weiteren Sinne , z. B. Werke von J. S. Bach, Mozart, Brahms, Debussy, Schostakowitsch, Tschaikowski, Elgar oder auch Pärt. Klassische Musik ist komplex und vielschichtig in ihren musikalischen Parametern wie z.B. Klangfarbe, Form, Melodie, harmonikaler Aufbau und Rhythmus, um nur einige zu nennen. Während New Classics oft in tranceartige und eher statische Zustände führen und z.B. Popmusik sehr stark auf Körper und Rhythmus fokussiert und eher zum Tanzen anregt, bietet die klassische Musik ein viele menschliche Themen anrührendes emotionales Erlebensspektrum für eine Imaginationsreise. C. G. Jung war in späten Jahren sehr beeindruckt über seine Imaginationserlebnisse beim Musikhören und verlangte, dass Musik zukünftig Teil einer jeden Analyse sein solle, da sie im Stande sei, so tiefes archetypisches Material hervorzurufen.

GIM-Programme mit einem herausfordernden Potenzial (sog. working programs) lassen Zeit und Raum während des Hörens den psychodynamischen und emotionalen Gehalt eines Themenkomplexes zu erforschen und zu durcharbeiten. Musik und die verbalen mentalisierungsfördernde und affektregulierende Interventionen des Guides helfen dem Traveller, wie ein Forscher seine inneren Unwegsamkeiten zu identifizieren und auftauchende Schwierigkeiten handelnd zu bewältigen.

Spirituelle Dimensionen des Musikerlebens verbinden den Klienten oft positiv mit Gefühlen der Verbundenheit mit einem größeren Ganzen und einer Dimension, die sich nach Shakespeare „unsere Schulweisheit nicht träumen lässt“ , sie werden aber nicht als Selbstzweck zu erreichen gesucht. Solche Erfahrungen haben Platz im säkularen Rahmen des Therapiegeschehens.

Für Patienten mit geschädigter psychischer Struktur sind die ausgewählten Musikstücke eines Programms natürlich entsprechend ruhiger und nährender. Die durch Musik stimulierten Erregungsverläufe bleiben flacher und die haltende und angstlösende Funktion der Musik spielt eine größere Rolle.

 

Musikimaginative Methoden (MiMe) bieten ein reiches Spektrum an Musikerfahrungen an, wobei je nach Präferenz auch moderne Musikstücke, new classics, Ethnomusik, Popmusik, Jazz usw. eingesetzt werden kann, um bestimmte therapeutische oder pädagogische Erfahrungen zu ermöglichen

 

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